Religion / Ethik

Ethik

Ethik ist in Baden-Württemberg ein relativ junges Fach, es wurde erst Mitte der 80er Jahre eingeführt auf Drängen der Kirchen. Diese hatten seit den 70er Jahren damit zu kämpfen, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler sich vom Religionsunterricht abmeldeten und während dieser Zeit dann schulfrei hatten.

Dementsprechend wurde Ethik als Ersatzfach für Religion ab Klasse 8 eingeführt. Konfessionslose Schülerinnen und Schüler oder die anderer Konfessionen, für die kein Religionsunterricht angeboten wurde, mussten den Ethik-Unterricht besuchen, evangelische oder katholische Schülerinnen und Schüler waren zunächst verpflichtet, in den konfessionsgebundenen Religionsunterricht zu gehen und konnten nur dann den Ethik-Unterricht besuchen, wenn sie sich aus Glaubens- und Gewissensgründen vom Religionsunterricht abmeldeten.

Bis heute hat sich daran nichts geändert, obwohl der religiöse Hintergrund der Schülerschaft gewandelt hat: Die religiösen Bekenntnisse haben sich diversifiziert, mehr Schülerinnen und Schüler sind konfessionslos und viele bezeichnen sich zwar als gläubig, obwohl sie sich nicht kirchlich gebunden fühlen.

Diese Diversität spiegelt sich auch in den Ethik-Gruppen an unserer Schule, die interessanterweise in ihrer Zusammensetzung immer wieder anders sind, die aber zahlenmäßig mit den Religionsgruppen vergleichbar sind.

Mit Einführung des G8 ist der Beginn des Ethik-Unterrichts von Klasse 8 auf Klasse 7 vorgerückt.

In den unteren Klassen ist der Ethik-Unterricht als Lebenshilfe konzipiert: Bei lebensnahen Themen wie Konsum- und Medienverhalten, Individualität, Konflikte, Sozialität, Werte und Normen, Glück und Sinn, Liebe und Partnerschaft sowie Altern und Tod ist innerhalb der Schule Raum, sich auszutauschen und einen eigenen Standpunkt in Auseinandersetzung mit den anderen und der Lehrkraft zu entwickeln. So soll zur Selbstfindung der Schülerinnen und Schüler beigetragen, ihre Empathiefähigkeit und ihr Sozialverhalten geübt und ihnen eine Orientierungsfähigkeit ermöglicht werden. Daneben ist in jedem Schuljahr eine der großen Weltreligionen Unterrichtsthema.

Ab Klassenstufen 10 gewinnt die Einführung in die praktische Philosophie, also der Unterricht als ethische Reflexion, immer mehr an Bedeutung. Zentrale Frage wird die der Begründung von Handlungen oder Normen. Utilitaristische oder kantische Argumentationsmuster sollen die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen, selbständig moralisch zu urteilen. Dies lässt sich dann an vielen praktischen Problemen aus den Bereichen Medizinethik, Bioethik, Technikethik oder aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Zuwanderung anwenden.

Darüber hinaus beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler in der Kursstufe mit den Themen Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung und schließlich dem gelungenem Leben.

Auf die Kraft der Argumente vertrauend lassen sich aktuelle Probleme ergebnisoffen und weltanschaulich neutral diskutieren, ohne in eine wertrelativistische Beliebigkeit zu verfallen.

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