Büch­ners „Woy­zeck“ als Ein-Mann-Thea­ter

Am Mitt­woch, dem 8. Novem­ber 2023, besuch­te Juli­an König vom Thea­ter „Mobi­le­Spie­le“ das Max-Born-Gym­na­si­um, um uns die Insze­nie­rung des Stücks „Woy­zeck“ von Georg Büch­ner vor­zu­stel­len. Beein­dru­cken­der­wei­se prä­sen­tier­te König das gesam­te Dra­ma, in dem zahl­rei­che Rol­len vor­kom­men, in einer Ein-Mann-Auf­füh­rung. Dabei bedien­te er sich des Ein­sat­zes von Pup­pen, die er geschickt im Büh­nen­bild plat­zier­te, bis sie in Sze­ne gesetzt wur­den. Als Büh­ne dien­te die Ecke des Klas­sen­zim­mers, begrenzt von einem Zaun, der Boden wie eine Müll­hal­de bedeckt von schwar­zen Lum­pen und alten Gegen­stän­den.

König selbst spiel­te den Prot­ago­nis­ten des Dra­mas, Franz Woy­zeck. Die aus­drucks­voll gestal­te­ten Pup­pen, die die Rol­len von Woy­zecks Gelieb­ten Marie, sei­nem Sohn Chris­ti­an, dem Dok­tor, dem Haupt­mann und dem Tam­bour­ma­jor ver­kör­per­ten, wur­den eben­falls ein­dring­lich von ihm selbst gespro­chen. Sie wur­den äußerst rea­lis­tisch in das Stück inte­griert, sodass man als Zuschau­er ech­te Schau­spie­ler nicht ver­miss­te.

Nach die­ser fes­seln­den Vor­stel­lung erläu­ter­te der Künst­ler das Kon­zept hin­ter sei­ner unge­wöhn­li­chen Insze­nie­rung. Die Vor­füh­rung soll­te Woy­zecks Gedan­ken und Erin­ne­run­gen nach der eigent­li­chen Hand­lung reprä­sen­tie­ren. Somit wur­de die inne­re Welt Woy­zecks nach den Ereig­nis­sen wider­ge­spie­gelt. Ins­be­son­de­re sein durch die gesell­schaft­li­chen Umstän­de immer wei­ter vor­an­ge­trie­be­ner Wahn­sinn wur­de dabei sehr plas­tisch. Der Zaun sym­bo­li­sier­te dabei zum Bei­spiel den abge­schot­te­ten Lebens­raum, in dem Woy­zeck in Ein­sam­keit und Elend ver­weilt, umge­ben von sei­nen alten Besitz­tü­mern wie zer­lump­ten Klei­dungs­stü­cken, aber auch der Bibel.

Die Auf­füh­rung wur­de durch den Ein­satz von Laut­spre­chern zusätz­lich unter­stützt, die Alarm­läu­ten und Befehls­ru­fe für Woy­zeck wie­der­ga­ben. Alarm­tö­ne for­der­ten Woy­zeck sogar zum Essen auf, wodurch der mili­tä­ri­sche Drill, aber auch die unmensch­li­che Ver­su­chungs­an­ord­nung des Erb­sen­ex­pe­ri­ments deut­lich wur­den. Sei­ne eili­ge und ange­wi­der­te Art, die Erb­sen zu ver­zeh­ren, ver­lieh der Sze­ne eine beson­ders ekel­er­re­gen­de Note.

Für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler, die das Dra­ma bereits gele­sen hat­ten, bot sich die Mög­lich­keit, die Geschich­te von Woy­zeck auf eine unge­wöhn­li­che Wei­se nach­zu­voll­zie­hen – durch die gekonn­te Ver­bin­dung von Pup­pen und einem Schau­spie­ler. Das Erleb­nis, einem Schau­spie­ler dabei zuzu­se­hen, wie er ein gan­zes Stück allein mit sei­nem Spiel und dem Spiel mit Pup­pen prä­sen­tiert, war beein­dru­ckend. Es bot sich so eine sehr gute Mög­lich­keit, zen­tra­le Aus­sa­gen des Stücks, das sowohl für das Leis­tungs- als auch das Basis­fach abi­re­le­vant ist, noch bes­ser zu ver­ste­hen. Wir dan­ken dem Freun­des­kreis, der mit sei­ner finan­zi­el­len Unter­stüt­zung die­ses Thea­ter­er­leb­nis ermög­licht hat.

Inci­lay Eda Cira­klar