Studienfahrt Segeln 2024
Trockenfallen im Wattenmeer
Sonntag, 15. September
Damit der große Segeltörn im kleinen Hafenort Enkhuizen in Nordholland beginnen konnte, trafen sich 19 Kursstufenschüler und zwei Lehrer (Frau Karpf und Herr Günzel) am Sonntag um 10:30 Uhr an der Schule, um den Bus vor der Abfahrt mit dem Gepäck und den reichlichen Lebensmitteln zu beladen. Nach einer angenehmen Fahrt und Ankunft gegen 19 Uhr begannen wir alles zu unserem Segelschiff “der Bontekoe” zu tragen und dort zu verstauen, um am nächsten Morgen gleich los segeln zu können.
Montag, 16. September
Am nächsten Morgen ging es schon um 8 Uhr mit dem Frühstück los, um gestärkt in See zu stechen, genauer gesagt ins IJsselmeer. Das IJsselmeer ist ein großes Süßwasser-Binnengewässer, das jedoch erst nach 1932 entstand. Zuvor gehörte das Gebiet zur Zuiderzee, also zur Nordsee. Um sich vor extremen Sturmfluten, wie der aus dem Jahr 1916, zu schützen, baute man einen Abschlussdeich, der heutzutage die nördliche Waddenzee vom IJsselmeer trennt.
Die beiden Skipper Johannes und Nils gaben uns eine detaillierte Einweisung zu den Regeln auf dem Schiff und eine kurze Einführung in die Segeltechnik. Wir lernten außerdem wichtige Segelknoten wie den Kopfschlag, um die großen Segel zu befestigen, oder den Mastwurf. Nun konnten wir alle gemeinsam die vier Segel – Besansegel, Großsegel, Fock und Klüver – hissen, um in Richtung Norden zum Abschlussdeich zu segeln. Dies stellte sich jedoch als Herausforderung heraus, da wir Nordwind hatten und somit gegen den Wind fahren mussten. Um trotzdem Segeln zu können, kreuzt man in einem 45-Grad-Winkel zum Wind, damit man vorankommt. Dies bedeutete auch für uns als Crew eine Menge Arbeit, da wir immer wieder sog. Wenden als Manöver durchführen mussten. Glücklicherweise hatten wir viel Wind und konnten am Abend schon in Makkum anlegen und den Sonnenuntergang am Hafen genießen. Später verbrachten wir unsere Zeit mit Gesellschaftsspielen wie Poker, Uno oder Rummikub, bis wir erschöpft vom ersten Tag ins Bett fielen.
Dienstag, 17. September
Am nächsten Morgen durchquerten wir früh den Abschlussdeich durch eine Schleuse, um auf die Waddenzee zu gelangen. Der Abschlussdeich ist eindrucksvolle 32 km lang, 90 m breit und liegt 7 m über dem Meeresspiegel. Er dient vor allem dem Schutz der Bevölkerung, wie bei der Sturmflut im Jahr 1953. Außerdem wurde er gebaut, um neues Land zu gewinnen, und bietet zugleich einen wichtigen Küstenschutz.
Auf der Nordsee spürte man sofort den starken Wind und die höheren Wellen, weswegen wir uns regendicht anziehen mussten. Unser Plan für diesen Tag war es, die westfriesische Insel Terschelling zu erreichen, um dort die Stadt und das Naturschutzgebiet zu erkunden. Auf dem Weg segelten wir an mehreren riesigen Windparks vorbei und hörten einen spannenden Schüler-Referats-Vortrag über die Offshore-Anlagen. Dabei wurden besonders die verschiedenen Sichtweisen auf die Windräder beleuchtet: Sie stellen zwar eine wichtige erneuerbare Energiequelle dar, haben jedoch auch Auswirkungen auf ihr umliegendes Ökosystem.
Nach fast 60 km Fahrt erreichten wir gegen 14:00 Uhr den Hafen. Um einen großen Teil der Westinsel und die Küste erkunden zu können, entschieden wir uns, Fahrräder auszuleihen. Auf der Fahrradtour beobachteten wir die einzigartige Landschaft, die zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Die weiten Dünengebiete mit dem darauf wachsenden Strandhafer prägen das Landschaftsbild, schützen die Küste vor Abtragung und Überschwemmung und bieten zudem einen wichtigen Lebensraum für seltene Vogelarten wie den Kormoran oder auch Wildkaninchen. Zur einzigartigen Landschaft gehören auch die Salz- und Heidewiesen, die viele seltene Pflanzen- und Tierarten beheimaten. Im Westteil wurden zudem große „künstliche“ Wälder gepflanzt, um die Insel vor Winderosion zu schützen.
Als wir uns in Reichweite der Küste befanden, erklärte uns Herr Günzel, warum die westfriesischen Inseln in Richtung Osten wandern. Mithilfe des Schülers Jakob Welker erklärte er das Prinzip des Strandversatzes, bei dem der nordwestliche Wind den Sand von der Westküste im Zickzack-Muster an der Küste nach Osten transportiert. Durch die darauffolgende Sedimentation im Windschatten wächst die Insel als Sandhaken in Richtung Osten.
Nach dem Vortrag setzten wir unsere Tour fort und besuchten noch den Strand bei West aan Zee. Dort konnten wir tolle Gruppenbilder mit der 360-Grad-Kamera unserer Schule machen, um uns an den Aufenthalt zurück zu erinnern. Wir erkundeten die Pflanzen- und Tierwelt, wateten durch das kniehohe Wasser und entdeckten Seesterne, Algen und vieles mehr.
Mittwoch, 18. September
Heute stand das große Vorhaben auf dem Plan, in der Waddenzee mit unserem Plattboot trocken zu fallen. Dies erfordert jedoch etwas Geschick und Glück, da der Wasserstand stark von den Gezeiten und dem Wind beeinflusst wird. Bläst der Wind in Richtung Westen, wird das Wasser durch die Priele aufs offene Meer gedrückt. Wir hatten jedoch Nordwind und somit noch länger einen höheren Wasserstand, um auf einer Sandbank zu stranden. Skipper Johannes erklärte uns diese Faktoren genauer, um uns einen besseren Einblick in die verschiedenen Bedingungen auf hoher See zu geben. Er erklärte uns auch, dass die Gezeiten durch das Zusammenspiel der Kräfte von Mond und Sonne entstehen. Durch die beiden Kräfte, die von der Erde weg wirken, entstehen zwei Flutberge, die die Tidendauer alle 12 Stunden wiederholen. Wir wurden auch über die verschiedenen Winde beim Segeln und das Setzen des Ankers aufgeklärt.
Wir segelten nun durch die etwas tieferen Priele, um eine geeignete Sandbank zu finden, die wir gegen Mittag erreichten. Nun mussten wir warten, bis das Wasser auf das offene Meer hinauslief und das Niedrigwasser erreicht war. Um 17 Uhr konnten wir schließlich den Meeresboden betreten und bei großem Geschrei durch die vielen Krebse und Muscheln laufen.
Das Ablegen am Abend stellte sich als Herausforderung heraus, da das Boot in der Sandbank feststeckte. Wir mussten bis 22 Uhr warten, bis die Flut das Boot wieder freigab. Dann segelten wir weiter durch den Abschlussdeich ins IJsselmeer und legten um Mitternacht in einer kleinen Bucht an.
Donnerstag, 19. September
Am vorletzten Tag der Kursfahrt durften wir morgens vor der Rückfahrt noch im nun höheren, aber kalten Wasser baden gehen. Danach segelten wir zurück in die uns bereits bekannte Stadt Enkhuizen und legten am Hafen an. Dort erfuhren wir, dass ein großes Stadtfest im Gange war, bei dem auch ein Pferderennen stattfand. Nach einer kurzen Besichtigung des Rennens beschlossen einige, einkaufen zu gehen, um sich für die morgige Heimreise einzudecken.
Abends beim Schiff angekommen, konnten wir noch ein wunderschönes Feuerwerk bestaunen, das uns den letzten Abend der Kursfahrt bereicherte.
Freitag, 20. September
Leider war nun der letzte Morgen angebrochen, und wir mussten früh anfangen zu packen und zu putzen, um den Skippern die Arbeit zu erleichtern. Nach dem Einräumen des Gepäcks in den Bus fuhren wir los und kamen nach knapp 8 Stunden an der Schule in Neckargemünd an, wo wir uns leider alle mit Tränen in den Augen voneinander verabschieden mussten.
Von Jakob Welker (K2) und Emilia Sari (K2)




