„Ein Ort der Erin­ne­rung nach jahr­zehn­te­lan­gem Schwei­gen“ – Exkur­si­on der Klas­se 9a zur KZ Gedenk­stät­te Neckarelz

Am 10.02.2026 besuch­te die Klas­se 9a die KZ-Gedenk­stät­te Neckarelz.

Im Mit­tel­punkt des Besuchs stand ein Pro­jekt­vor­mit­tag zum The­ma „Gegen­stän­de erzäh­len Geschich­te“. Statt einer klas­si­schen Füh­rung erschlos­sen sich die Jugend­li­chen die Gedenk­stät­te selbst­stän­dig: In Klein­grup­pen wähl­ten sie ein­zel­ne Objek­te aus und recher­chier­ten deren Bedeu­tung mit­hil­fe von Text­quel­len, Infor­ma­ti­ons­tex­ten und his­to­ri­schem Bild­ma­te­ri­al. Anschlie­ßend prä­sen­tier­ten die Grup­pen ihre Ergeb­nis­se.

Neben offen­sicht­li­chen Sym­bo­len von Gewalt und Unter­drü­ckung wie einem Schlag­stock oder einem Häft­ling­s­wim­pel beschäf­tig­ten sich die Schü­le­rin­nen und Schü­ler auch mit Din­gen, deren Bezug erst auf den zwei­ten Blick erkenn­bar wird: ein Apfel, ein Löf­fel oder sogar ein Gold­fisch. Gera­de die­se unschein­ba­ren Objek­te eröff­ne­ten neue Per­spek­ti­ven auf den All­tag der Häft­lin­ge – auf Hun­ger, Hoff­nung, klei­ne Ges­ten der Mensch­lich­keit und den Ver­such, unter unmensch­li­chen Bedin­gun­gen zu über­le­ben.

Das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Neckarelz wur­de erst im Okto­ber 1944 fer­tig­ge­stellt. Ziel war es, drin­gend benö­tig­te Arbeits­kräf­te für den Aus­bau einer Unter­ta­ge­fa­brik zur Her­stel­lung von Kampf­flug­zeu­gen bereit­zu­stel­len. Die Häft­lin­ge muss­ten täg­lich schwe­re Zwangs­ar­beit leis­ten –zeit­wei­se waren über 5000 Men­schen aus unter­schied­li­chen Län­dern im KZ Neckarelz inhaf­tiert.

Beson­ders ein­drück­lich für die Klas­se war die Erkennt­nis, dass die­se Ver­bre­chen in so unmit­tel­ba­rer Nähe von Neckar­ge­münd statt­fan­den. Neckarelz steht exem­pla­risch dafür, wie ein gan­zer Ort von den NS-Ver­bre­chen geprägt war: Täg­lich mar­schier­ten die etwa 5000 Häft­lin­ge durch den Orts­kern, um vom Lager zu ihren Arbeits­stät­ten zu gelan­gen. Sie wur­den von der Bevöl­ke­rung gese­hen – und obwohl jeg­li­cher Kon­takt streng ver­bo­ten war, kam es ver­ein­zelt zu mensch­li­chen Ges­ten. Quel­len berich­ten bei­spiels­wei­se davon, dass Kin­der den halb ver­hun­ger­ten Gefan­ge­nen Äpfel schenk­ten.

Nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs wur­de in Neckarelz lan­ge kaum über die Gescheh­nis­se gespro­chen. Erst in den 1980er-Jah­ren begann eine sys­te­ma­ti­sche Auf­ar­bei­tung der Geschich­te – die Ver­bre­chen waren „jah­re­lang tot­ge­schwie­gen“ wor­den.

Gegen die­ses Schwei­gen setzt sich der Ver­ein „KZ-Gedenk­stät­te Neckarelz“ ein mit dem Ziel deut­lich zu machen, dass Orte des Erin­nerns heu­te unver­zicht­bar sind, um Geschich­te sicht­bar zu machen, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und aus der Ver­gan­gen­heit zu ler­nen.

​Text und Fotos: Fran­zis­ka Lui