Besuch im Ionen­the­ra­pie­zen­trum HIT in Hei­del­berg

Am 22.05.23 besuch­te der 5stündig K2 Phy­sik­kurs mit sei­ner Leh­re­rin Frau Thier­ing das Ionen­the­ra­pie­zen­trum HIT in Hei­del­berg. Frau Hab­bes, eine Phy­sik-Dok­to­ran­din und freund­li­che Mit­ar­bei­te­rin am HIT, emp­fing uns und infor­mier­te uns über die Anwen­dung der Ionen­the­ra­pie zur Krebs­be­hand­lung. Sie erklär­te uns, dass es unter­schied­li­che The­ra­pie­zim­mer gibt. In den nor­ma­len Behand­lungs­zim­mern tritt der Ionen­strahl aus einem fes­ten Win­kel aus der Wand aus, was die Behand­lung man­cher Tumo­re erschwert. Des­halb gibt es das „Gantry“-Behandlungszimmer, in dem der Ionen­strahl mit­hil­fe eines 660 Ton­nen schwe­ren Metall­ge­rüsts belie­big auf den Pati­en­ten aus­ge­rich­tet wer­den kann.

Wir besich­tig­ten zunächst die regu­lä­ren The­ra­pie­zim­mer, die mit moderns­ter Tech­no­lo­gie aus­ge­stat­tet waren. Das Zim­mer war ein sog. Rein­raum, ent­hielt die unter­schied­lichs­ten medi­zi­ni­schen Gerä­te und die Appa­ra­tur, aus wel­cher der Ionen­strahl her­aus­tritt. Frau Hab­bes erklär­te uns die Behand­lungs­me­tho­den. Es wird für jeden Pati­en­ten eine indi­vi­du­el­le Mas­ke erstellt, auf der mm-genau ein­ge­zeich­net wird, wo der Strahl auf­tref­fen muss.

Anschlie­ßend zeig­te Frau Hab­bes uns die haus­ei­ge­ne unter­ir­di­sche Teil­chen­be­schleu­ni­ger­an­la­ge, in wel­chem erst die Ionen (Pro­to­nen oder Koh­len­stof­fio­nen) für das Bestrah­len frei gesetzt, dann in einem Line­ar­be­schleu­ni­ger vor­be­schleu­nigt und schließ­lich in einem Syn­chro­tron auf bis zu 75% der Licht­ge­schwin­dig­keit beschleu­nigt wer­den.  Sei­ne Grö­ße und Kom­ple­xi­tät waren beein­dru­ckend.

Der nächs­te Stopp führ­te uns zum Gan­try-Behand­lungs­zim­mer mit sei­nem geräu­mi­gen Inne­ren und dem in alle Rich­tun­gen dreh­ba­ren Metall­ge­rüst, mit wel­chen der Ionen­strahl fle­xi­bel und päzi­se aus­rich­ten kann.

Fas­zi­nie­rend ist, dass durch einen spe­zi­el­len phy­si­ka­li­schen Effekt, dem Bragg-Effekt, der Ionen­strahl sei­ne gan­ze Ener­gie erst in einer bestimm­ten Ein­dring­tie­fe abgibt, und die­se Punkt durch die Geschwin­dig­keit der Ionen gesteu­ert wer­den kann. Der Strahl kann bis zu 30 cm tief in das Gewe­be ein­drin­gen und weicht höchs­tens um 1 mm vom Ziel ab.

Dadurch kön­nen auch Tumo­re z.B. tief im Gehirn zer­stört wer­den, ohne dass das Gehirn in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wird. Bevor es das HIT gab, war die Behand­lung eines sol­chen Tumors unmög­lich.

Der Besuch im Ionen­the­ra­pie­zen­trum HIT war äußerst lehr­reich. Wir erhiel­ten Ein­bli­cke in eine fort­schritt­li­che Anwen­dungs­me­tho­den der Phy­sik und in die Mög­lich­kei­ten der Ionen­the­ra­pie zur Krebs­be­kämp­fung. Gegen Mit­tag ver­lie­ßen wir das HIT mit vie­len neu­en Ein­drü­cken wie­der.

Ben­ja­min W., K2