Schü­ler­kon­fe­renz zum Abschluss des Denk­werks

„Begeg­nun­gen vor Ort – Ver­wal­tungs­ge­schich­te und NS-All­tag!“ im Hör­saal des His­to­ri­schen Semi­nars der  Uni­ver­si­tät Hei­del­berg

Knar­zen­de alte Holz­bän­ke und enge Pul­te: Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler des Semi­nar­kur­ses „Ver­wal­tungs­ge­schich­te und NS-All­tag“ sowie die Klas­se 10b des Max-Born-Gym­na­si­ums Neckar­ge­münd durf­ten Uni-Luft schnup­pern. Am 15. Sep­tem­ber 2016 prä­sen­tier­ten sie gemein­sam mit zwei Schü­ler­grup­pen des Bun­sen­gym­na­si­ums auf Ein­la­dung von Prof. Dr. Cord Are­n­des, Inha­ber des Hei­del­ber­ger Lehr­stuhls für „Public Histo­ry“, bei einer Schü­ler­kon­fe­renz im alt­ehr­wür­di­gen Gebäu­de der his­to­ri­schen Fakul­tät die Ergeb­nis­se ihres Denk­werks „Begeg­nun­gen vor Ort! Ver­wal­tungs­ge­schich­te und NS-All­tag“.
Unter Mit­hil­fe ihrer Leh­re­rin­nen und Leh­rer sowie vier stu­den­ti­scher Hilfs­kräf­te hat­ten die  Schü­ler­grup­pen bei­der Gym­na­si­en im letz­ten Schul­jahr his­to­ri­sche Quel­len aus der Regi­on stu­diert und Rück­schlüs­se über unse­re Regi­on im Natio­nal­so­zia­lis­mus gezo­gen.
Nach einer Ein­füh­rung von Stu­di­en­di­rek­tor Joa­chim Phil­ipp vom Max-Born-Gym­na­si­um, in der er den Ablauf des Pro­jekts schil­der­te und allen uni­ver­si­tä­ren Unter­stüt­zern dank­te, allen vor­an Prof. Dr. Cord Are­n­des, Prof. Dr. Frank Enge­hau­sen und den stu­den­ti­schen Hilfs­kräf­ten Vanes­sa Hilss und Julia Schön­tha­ler, prä­sen­tier­ten drei Semi­nar­kurs­schü­ler des Max-Born-Gym­na­si­ums die Ergeb­nis­se ihrer Semi­nar­ar­beit. Lara S. hat­te sich mit Eutha­na­sie in Neckar­ge­münd beschäf­tigt; Juli­an W. sprach über die so genann­te „geis­ti­ge Ent­haup­tung Deutsch­lands“, spe­zi­ell die Ver­trei­bung von Pro­fes­so­ren der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg; und Niklas R. hat­te sich mit der Ari­sie­rung von Betrie­ben in Neckar­ge­münd und Hei­del­berg aus­ein­an­der­ge­setzt.
Die Neunt­kläss­ler des Bun­sen­gym­na­si­ums prä­sen­tier­ten die Ergeb­nis­se ihrer Quel­len­aus­wer­tung zu dem The­ma „Ver­wal­tungs­ge­schich­te und NS-All­tag in Hei­del­berg“. Sie leg­ten ihre Schwer­punk­te auf die The­men­be­rei­che Schul­be­such im Natio­nal­so­zia­lis­mus in unse­rer Regi­on, die regio­na­le Juden­kar­tei und den Arbeits­ein­satz von Kriegs­ge­fan­ge­nen.
Mit den The­ma „Ver­folg­te Men­schen im Natio­nal­so­zia­lis­mus“ hat­te sich die ehe­ma­li­ge 9b des Max-Born-Gym­na­si­ums im ver­gan­ge­nen Schul­jahr beschäf­tigt. Die Schwer­punk­te wur­den, wie das Pro­jekt vor­sieht, natür­lich auf die Regi­on gelegt und unter­glie­dert wur­de in ver­folg­te Juden, Men­schen mit Behin­de­run­gen, Sin­ti und Roma, Homo­se­xu­el­le und poli­tisch Ver­folg­te. Des Wei­te­ren hat­te sich die 9b mit der Jugend im Natio­nal­so­zia­lis­mus beschäf­tigt. Hier ging es beson­ders um den Schul­all­tag und die Hit­ler­ju­gend in der Regi­on, die zum Bei­spiel in Bam­men­tal Zelt­la­ger abhielt und ziem­lich selbst­be­wusst auf­trat.
Ein Geschichts­kurs der Klas­se 11 des Bun­sen Gym­na­si­ums hat­te außer­dem ein Home­page­pro­jekt zum Denk­werk erstellt, wel­ches bei der Schü­ler­kon­fe­renz vor­ge­stellt wur­de. Im Anschluss an die Prä­sen­ta­tio­nen gab es eine Pos­ter­aus­stel­lung der bei­den Schu­len, zu der die Schü­ler der jeweils ande­ren Schu­le ein Quiz beant­wor­ten durf­ten.
Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler des Max-Born-Gym­na­si­ums und des Bun­sen-Gym­na­si­ums hat­ten das Glück an einem von deutsch­land­weit acht Denk­wer­ken der Robert-Bosch-Stif­tung unter dem Mot­to „Als Schü­ler kom­men und als For­scher gehen“ teil­neh­men zu dür­fen.
„Wir haben sehr viel gelernt: Die Arbeit im Archiv, die Aus­wer­tung von Quel­len, Recher­che­ar­beit und alles was sonst noch zum wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten dazu gehört. Es war eine anstren­gen­de, aber extrem gewinn­brin­gen­de Zeit für uns. Wir wis­sen jetzt, was in einem Uni­ver­si­täts­stu­di­um auf uns zukommt.“, mein­te Anni­ka B. aus der Kurs­stu­fe 2 des MBG. Die jün­ge­ren Schü­ler, die zur Zeit des Pro­jekts noch in der neun­ten Klas­se waren, stimm­ten zu: „Wir haben zwar kei­ne Semi­nar­ar­beit geschrie­ben, aber wir haben in Grup­pen his­to­ri­sche Quel­len stu­diert und aus­ge­wer­tet. Die Ergeb­nis­se haben wir dann für unse­re Pos­ter­prä­sen­ta­ti­on zusam­men gestellt.“, erklär­te Gina K. aus der jet­zi­gen 10b des MBG. Wel­che Bedeu­tung hat­ten die Lan­des­mi­nis­te­ri­en über­haupt noch? Wie hat das Herr­schafts­sys­tem der Natio­nal­so­zia­lis­ten nach unten hin funk­tio­niert? Die­ser loka­len Per­spek­ti­ve näher zu kom­men, war das Ziel der Koope­ra­ti­on des Lehr­stuhls für Public Histo­ry der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg (Prof. Dr. Cord Are­n­des), des For­schungs­pro­jekts „NS-Lan­des­mi­nis­te­ri­en in Baden und Würt­tem­berg“ (Prof. Dr. Frank Enge­hau­sen), des Max-Born-Gym­na­si­ums Neckar­ge­münd (StD Joa­chim Phil­ipp, StR‘ Elli Plett) und des Bun­sen-Gym­na­si­ums Hei­del­berg (StD Ulri­ke Falk­ner und StR Andre­as Adolphs).
Ulrich von San­den, Fach­re­fe­rent für Geschich­te vom Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart, war beein­druckt von die­sem Pro­jekt: „Ihr Pro­jekt ist ein Para­de­bei­spiel, so zu sagen ‚best prac­ti­ce‘, für unse­ren neu­en Bil­dungs­plan. Wir möch­ten die Anbin­dung an den All­tag und an die Regi­on im Geschichts­un­ter­richt ver­stär­ken. Das war ein beein­dru­cken­der Vor­mit­tag.“
Auch die Schü­ler waren über­zeugt von der Wich­tig­keit des regio­na­len Bezugs. Lana S. aus der Kurs­stu­fe 2 des MBG mein­te in der Abschluss­run­de: „Auf die­se Wei­se war das gan­ze The­ma viel näher an uns dran. Ein Eutha­na­sie-Opfer aus Neckar­ge­münd berührt uns viel mehr als ein Fall aus einer ande­ren Regi­on. Wir kön­nen uns das Aus­maß der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft jetzt viel bes­ser vor­stel­len. Das war nicht weit weg, son­dern direkt vor unse­rer Haus­tü­re.